Wer ist eigentlich der Kopf hinter dem Kopflosen?

Bild Cover Beheaded - der Wille der SchattenDer Gardist Crayne erwacht ohne Erinnerung an sein Leben in einer Kerkerzelle. Er erfährt, dass er hingerichtet werden soll, warum das so ist, weiß er nicht. Ebenso wenig, ob er unschuldig ist, oder den Tod möglicherweise sogar verdient hat …
Crayne bleibt nichts übrig – er fügt sich in sein Schicksal und ist beinahe froh, als endlich das Henkersbeil auf ihn niedersaust. Es ist vorbei …

 

Ist es nicht. Crayne stellt mit Entsetzen fest, dass er zwar seinen Kopf verloren hat, aber noch lange nicht tot ist. Was nun??? Der Kopf – sein Kopf ist weg … und Crayne muss mit ansehen, wie dieser zu allem Unglück von einer ominösen Frau aufgehoben und mitgenommen wird …

Alptraum pur – ich stelle mir das gerade so vor …

Keinerlei Erinnerung zu haben, wer man ist, wie man in diese Situation gekommen ist – das allein ist ja schon Horror, oder? Und mit dieser Situation fängt der Wettlauf mit Mächten aus schwarzer Magie, Krieg und der Suche nach dem Kopf erst an.

Bild Autor Stefan Goebels

Der Autor von Beheaded – Der Wille der Schatten Stefan Goebels lässt die Spannungskurve nicht ein einziges Mal abreißen und nimmt seine Leser absolut gefangen.
Heute habe ich mir den Kopf hinter dem Kopflosen für euch zum Interview geschnappt.

 

Stefan, wie bist du auf die Idee zu der Geschichte von Crayne gekommen? Wie ist das Buch entstanden?

Die Idee entstand vor etwa drei Jahren, als eine von vielen Ideen, die in meinem Kopf herumspukten. Dark Fantasy war damals wie heute eines meiner Steckenpferde, und ich wollte unbedingt eine Geschichte entwerfen, in der ein verdammter Held mit düsterer Vergangenheit durch ebenso düstere Lande zieht und das Böse bekämpft.

Allerdings sollte dieser Protagonist auf jeden Fall einen übernatürlichen Einschlag haben und ein klassisches Motiv der Horror- bzw. Fantasy-Literatur aufgreifen. Über Vampire, Werwölfe, Hexen und Geister wurden bereits viele großartige Geschichten erzählt. Ich überlegte also, welcher »dunkle Superheld« noch eine eigene Story gebrauchen könnte und kam dabei auf den kopflosen Reiter. Wobei dieser auf keinen Fall lediglich als axtschwingender Bösewicht umherreiten sollte – der Plan war, dass viel mehr in ihm steckt, als in einem stumpf mordenden Verfluchten wie z. B. in »Sleepy Hollow«.

Und dann entwickelte sich die Geschichte sehr schnell: Kurze Zeit später entstand in meinem Kopf die Szene, in der Crayne ohne Erinnerungen in einer Kerkerzelle erwacht und hingerichtet bzw. enthauptet wird, nur um festzustellen, dass er alles andere als tot ist. Ich fand dabei vor allem den Gedanken spannend, welchen Wahnsinn es auslösen muss, nicht zum hirnlosen Zombie mutiert zu sein und mit anzusehen, wie der eigene Kopf samt aller Erinnerungen gestohlen wird.

Ursprünglich wollte ich aus der Idee gar keinen Roman, sondern ein Seriendrehbuch machen. Meine Freundin hat mich letztendlich davon überzeugt, den Stoff zum Buch zu machen – und im Nachhinein bin ich natürlich sehr froh, dass ich das auch getan habe. Die Erstellung der ersten Fassung des Romans hat etwa anderthalb Jahre gedauert. Nach der Überarbeitung habe ich mich dann ganz klassisch mit Manuskript und Leseprobe beworben und bin natürlich sehr stolz darauf, dass das Buch jetzt erschienen ist.

Geht es dir auch so, wie viele Autoren berichten, dass ihr Figuren irgendwie regelrecht zur Familie gehören, weil sie mit der Zeit immer mehr präsent sind?

Ja, das kann ich nachvollziehen, wobei ich vor allem spannend fand, wie sich die ursprünglich als Nebenfiguren geplanten Charaktere plötzlich zu Trägern der Geschichte entwickeln und wie durch ihren Beitrag fesselnde Momente entstehen. Wer das Buch liest, wird schnell merken, dass Crayne ohne seine Gefährten ziemlich aufgeschmissen wäre und dass die Probleme der Lebenden einen Untoten durchaus einiges angehen. Ohne zu viel zu verraten, kann man sagen, dass Crayne im Verlauf ein wenig Platz für andere auf dem Thron der Hauptperson machen muss.

Auf der anderen Seite gehöre ich eigentlich nicht zu den Autoren, die sich von ihren Figuren überraschen lassen. Ich fange eigentlich immer erst dann an zu schreiben, wenn ich eine klare Vorstellung davon habe, wie die Geschichte ausgeht und welchen Platz jede der Figuren in der Handlung einnimmt. Aus diesem mitunter recht strengen Korsett lasse ich sie dann auch selten entkommen. Zum Erstaunen bringt mich also eher, wie sie letztendlich tun, was ihnen vorherbestimmt ist und wie sie sich dabei fühlen.

Du machst auch Musik. Erzähl uns doch ein bisschen darüber. Kann man von euch auch Auftritte sehen?

Da muss ich euch leider enttäuschen. Aktuell tritt die Musik in den Hintergrund, was ich aber zumindest momentan nicht als tragisch empfinde, da mir das Schreiben, und das Entwickeln neuer Ideen sehr viel Freude bereitet. Ich habe im Alter von elf Jahren angefangen, Gitarre zu spielen und auch für viele Jahre Unterricht in einer Musikschule gehabt. Anschließend habe ich in diversen Rock- und Metal-Bands gespielt, die längste Zeit davon in der Progressive-Metal Band Poisoned Gift.

Momentan beschränkt sich das Musikmachen allerdings leider darauf, mit gelegentlichem Geklampfe die Finger fit zu halten.
Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits ist es bei der Musik deutlich aufwendiger, seine Kunst anderen zu präsentieren als beim Schreiben. Schließlich bedeutet das, was bei den kreativen Bemühungen herauskommt, nichts, wenn andere es nicht hören oder lesen und es sie berührt oder eben nicht. Auftritte erfordern eine Menge Arbeit und oft den Sprung ins Ungewisse, vor allem als Band, und manchmal ist der Lohn dafür äußerst gering. Ich sehe bei meiner Freundin, die Hochzeitssängerin ist, wie viel Zeit und Energie es erfordert, auf diesem künstlerischen Gebiet am Ball zu bleiben.

Der andere Grund ist, dass ich zwar mit Leidenschaft und eigentlich ständig im Kopf komponiere (ähnlich wie beim Sammeln von Ideen für Geschichten), aber mir irgendwann eingestehen musste, dass ich nicht wirklich der geborene Bühnenmensch bin.
Rockstar werden zu wollen ist also nicht wirklich mein Ding und ich hoffe, jetzt mit meinem Buch auf eine andere Art und Weise ein Publikum begeistern zu können, wobei in dem Roman nicht minder viel Arbeit steckt, die ich allerdings nun nach eigener Planung und entspannt erledigen kann.

Somit hat das Schreiben vor ein paar Jahren das Musizieren als »kreatives Hauptfach« in meinem Leben abgelöst, obwohl beides seit der Kindheit einen wichtigen Platz in meinem Leben einnimmt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ich nicht irgendwann dahin zurückkehre, wieder Musik zu machen. Gelegentlich begleite ich meine Freundin als Gitarrist bei Auftritten oder unterstütze sie bei der Aufnahme ihrer Gesangsproben.

Thema Reisen – hast du, bzw. habt ihr ein Lieblingsland? Oder gibt es einen speziellen Fleck auf der Welt, den Du/ihr unbedingt besuchen müsst?

Wir sind soeben aus einem Urlaub in der Auvergne zurückgekommen. Frankreich war zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren das Ziel unserer Wahl. Mir gefallen, neben der atemberaubenden Landschaft der französischen Mittelgebirge, vor allem die kleinen Dörfer und Städte, die zwar verfallen sind, aber einen viel authentischeren Charme besitzen als vergleichbare Orte bei uns. Natürlich trägt auch die penetrante
Chateau-isierung der Durchreisenden ihren Teil zu meiner Begeisterung für das Land bei. Schließlich inspiriert den Fantasy-Autor kaum etwas so sehr wie eine alte Burgruine.

Die Anzahl anderer Flecken auf der Welt, die ich gerne besuchen würde, steigt jedoch ebenfalls fast täglich. Dabei sind alle Himmelsrichtungen ein Thema – Im Osten warten die Graf Draculas Karpaten und weitere mysteriöser Orte, und falls es uns noch ein wenig weiter nach Osten verschlägt, fänden wir beide einen Besuch von Tschernobyl spannend. Daneben war ich noch nie in Skandinavien und Irland und Schottland sind ebenfalls ein Thema – Ziele sind also reichlich vorhanden, eine konkrete Planung gibt es aber noch nicht.

Ahhh … das klingt mega spannend. Inspiration für Dark-Fantasy pur 🙂
Stefan, gibst du uns vielleicht einen Blick in deine Pläne für Zukunft – wie geht es mit Crayne weiter? 

Selbstverständlich arbeite ich bereits an der Fortsetzung von Craynes Suche nach seinem Kopf, und, wie bereits erwähnt weiß ich auch schon, wie es ausgeht! Da das Gerüst bereits steht, geht mir das Schreiben momentan leicht von der Hand und was dabei herauskommt, gefällt mir in der ersten Version schon sehr viel besser als bei der ersten Fassung von Teil 1 – mit der Übung wird alles einfacher. Ich kann auch schon versprechen, dass die Geschichte keinesfalls fröhlicher wird und noch einige Überraschungen bereithält.

Nebenbei befasse ich mich mit der Fertigstellung eines weiteren Buches. Zu diesem kann ich nur sagen, es ist im wahrsten Sinne des Wortes ziemlicher Käse, ziemlich großer Käse, denn um selbigen geht es in dieser dystopischen Geschichte, die allerdings nicht in einer Fantasiewelt, sondern in der nahen Zukunft des Hier und Jetzt spielt. Sie handelt von Parmesan, Nudeln, einem Festival, Großkonzernen, Beziehungsproblemen und einem Mann mit einer Orange.

Ab Herbst werde ich noch mit einer weiteren Geschichte beginnen, die mir seit Jahren im Kopf herumschwirrt, die ebenfalls wieder im Genre Dark Fantasy angesiedelt ist. Ideen dazu habe ich bereits in vielen Seiten Notizen gesammelt.
Und zu guter Letzt sind ja schließlich aller kopflosen Dinge drei… Wenn ich also meinen Kopf nicht verliere, gibt es in nächster Zeit genügend zu tun, und ich bin motiviert wie nie zuvor!

Du machst mich richtig neugierig!!! 🙂

Ihr habt es gehört – Craynes Abenteuer ist mit dem ersten Band noch längst nicht überstanden – er muss sich noch weiter behaupten. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes 🙂
Band 2, »Beheaded – Das Sieden der Seelen« wird im Frühjahr/Sommer 2019 erscheinen. Der finale Band »Beheaded – Die Blüte des Blutes« wird die kopflose Trilogie krönen.
Wir sind schon jetzt sehr gespannt!

Vielen Dank für deine Zeit Stefan 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.