Wenn eine Autorin aus dem Tintenfass plaudert:

Ach nein, das war das Nähkastchen. Oder doch der Stiftebecher?

Zu einer meiner liebsten Aufgaben gehört es, unsere Autoren und Autorinnen »auszufragen«. Es ist für mich jedes mal aufs Neue unglaublich spannend.
Heute hat mich Doris E. M. Bulenda mit ihren Antworten überrascht, denn sie hat schon etliche Länder einfach mit dem Rucksack bereist.

Du bist im Programm des Schwarzer Drachen Verlag in diesem Jahr in allen vier Kurzgeschichten-Anthologien, sowie mit deinem eigenen dämonischen Kurzgeschichten-Band »Dämonische Lovestory« vertreten. Nächstes Jahr hast du noch einen weiteren Roman.
Wo sammelst du all die vielen Ideen für deine Geschichten?

Nun, einige der Ideen spuken schon sehr lange, seit vielen Jahren, in meinem Kopf herum. Ich hatte nur bisher nicht die Zeit und die Muße, sie aufzuschreiben und vernünftig auszuarbeiten. Solange ich in der Arbeitswelt eingebunden war, habe ich es einfach nicht geschafft, zusätzlich noch zu schreiben. Erst seit ich nach Ungarn ausgewandert bin und nicht mehr arbeite, kann ich mich ganz der Schriftstellerei widmen.
Die meisten guten Ideen habe ich, wenn ich mit meinem Pferd stundenlang durch die Wälder reite. In der freien Natur, ganz allein mit meinem Hengst Dreamy, komme ich auf die besten Stories. Da fließen die Gedanken nur so … Dabei muss ich allerdings immer achtgeben, dass ich nicht ganz „Raum und Zeit“ um mich herum vergesse … Manchmal merke ich, dass mein Pferd nicht mehr läuft, sondern irgendwo steht und genüsslich grast. Das ist ein Zeichen, dass ich wieder mal zu sehr in eine Geschichte versunken war. Ich bezeichne Dreamy manchmal als meine „Muse“, weil ich den Ausritten mit ihm sehr viele gute Einfälle verdanke.

Das klingt fantastisch. Und wenn du die Zeit komplett vergisst, kann es ja durchaus auch mal dunkel werden. Was die Dämonen vielleicht erklären würde. In den meisten deiner Geschichten sind Dämonen dabei. Und zwar nicht auf die sonst übliche böse Art – sie sind einem sogar richtig sympathisch. Was verbindet dich mit dieser Spezies?

Ich liebe Dämonen … Und sie sind für einen Schriftsteller ein dankbares Objekt – man kann sie mit allen möglichen Eigenschaften ausstatten, ohne dass sie sich wehren können … Außerdem gibt es schon zu viele super-böse Dämonen in der Literatur, sodass es Zeit geworden ist, dass sich jemand mal zu ihrer Verteidigung aufschwingt. Außerdem haben meine Dämonen oft auch herzlich merkwürdige Eigenschaften. Ich persönlich wäre im Umgang mit ihnen nicht so geduldig wie meine Romanfiguren.

Ja, sie sind etwas anstrengend. Ich denke dabei an die Dämonen-Fortsetzungsgeschichten, die in unseren Anthologien ab Sommer erscheinen. Da dürfen sich unsere Leser wirklich darauf freuen.
Du lebst also inzwischen in Ungarn. Und zwar mit richtig vielen Tieren. Sie scheinen dir sehr wichtig zu sein. Engagierst du dich auch im Tierschutz?

Tierschutz ist für mich ein sehr wichtiges Thema, da die Tiere in unserer Gesellschaft so sehr ausgebeutet und ausgenutzt werden. Und zum Teil auch wie Wegwerfartikel behandelt werden. Engagieren tue ich mich allerdings hauptsächlich mit Spenden und mit dem Unterzeichnen von Petitionen in den sozialen Netzwerken.
Hier in Ungarn ist der Tierschutz – obwohl die meisten Ungarn sehr tierlieb sind – noch ziemlich in den Kinderschuhen. Meine 8 Katzen habe ich alle aus dem Stall, in dem mein Pferd steht. Sie sind dort als Babys ausgesetzt worden, einfach in einer Schachtel vor der Tür entsorgt worden. Und so habe ich eine Katze nach der anderen zu mir geholt. Da ich schon als Kind Katzen haben wollte – und nicht bekommen habe -, hole ich das jetzt alles nach.
Und außerdem bin ich einfach ein absoluter Tierfreund. Ich bin auch Vegetarierin, schon seit ewigen Zeiten, um nicht an der Ausbeutung der Tiere teilzunehmen – aber auch aus spirituellen und gesundheitlichen Gründen.

Das finde ich toll. Mir liegt Tierschutz auch sehr am Herzen. Zu meinen Zielen gehört es auf jeden Fall, sobald das möglich ist einen richtig tollen »Gnadenhof« aufzumachen. Und die Katzen – auch da kann ich dich sehr gut verstehen. Ich habe ebenfalls drei.
Verrätst du uns deine Pläne für dieses noch junge Jahr?

Im Moment habe ich keine konkreten Pläne. Natürlich bin ich immer auf der Suche nach neuen Themen für Kurzgeschichten oder auch für einen neuen Roman. Dazu will ich einfach das Leben genießen und lange Ausritte mit meinem Pferd machen. Das ist im Moment alles für 2017. Gute Vorsätze habe ich für Silvester sowieso nicht gemacht – außer dem einen – keine Vorsätze zu machen, da ich sie sowieso nicht einhalten kann.

Das ist gut, so sparst du dir zu 100 Prozent den Frust, den nicht eingehaltene Vorsätze nun einmal mit sich bringen.
Eines deiner Hobbys ist das Rucksackreisen. Das klingt sehr spannend. Ich könnte mir vorstellen, dass man auf diese Weise viel mehr von den Ländern und den Menschen kennenlernt. Wo warst du schon überall? Und – hast du ein Reise-Ziel, das du unbedingt noch kennenlernen möchtest?

Bisher bin ich durch fast ganz Asien, Südamerika, Mittelamerika, Ostafrika, den Süden von Afrika, USA, Australien und Neuseeland, Tahiti und Fidschi mit meinem Rucksack gezogen. Mit dem Auto habe ich viele lange Fahrten durch fast ganz Europa gemacht. Meiner Meinung nach sind die Eindrücke, die man abseits der Touristenpfade bekommt, absolut unvergleichlich. Zum Kennenlernen von Land und Leuten gibt es für mich nichts Besseres. Auch wenn man manchmal irgendwo festhängt und dann Himmel und Hölle in Bewegung setzen muss, um weiterzukommen. Gut, dass man nachher darüber lachen kann …
Ein Land, das ich unbedingt noch kennenlernen möchte? Ja – eigentlich alle Länder, in denen ich noch nicht war. Jedes Land und jede Gegend hat ihre eigene Faszination. Im Moment würden mich die Seychellen und Mauritius sehr reizen, oder auch Tibet. Mal sehen, ob und wann ich dazu komme.

Ja, das ist mit Sicherheit richtig, dass man von Land und Menschen in den Touristengebieten nicht wirklich viel kennenlernen kann.
Dann wünsche ich dir, dass du die Gelegenheiten zum Weiterreisen findest und natürlich einen guten Katzen-Sitter, der die kleinen Götter und Göttinnen auch standesgemäß versorgt.

Liebe Doris, vielen Dank für deine Zeit und deine Antworten.

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