Ferias – In der Tiefe des Ozeans

Roman von Jasmin Jülicher
Band 1 der Trilogie

… »Verdammt!« Xed warf sich hinter die kleine Mauer und zählte lautlos bis zehn. Erst dann wagte er es wieder, den Kopf hinter den Steinen hervorzustrecken. Die beiden Wachen, die eben noch keine zehn Meter von ihm entfernt gestanden hatten, waren weitergegangen. Vierzig Meter, schätzte Xed die Entfernung. Das müsste reichen.
Leicht gebückt huschte er über die Straße, die nur hier und da von einsamen Gaslaternen erleuchtet wurde, nicht genug, um wirklich etwas erkennen zu können.
Das Kopfsteinpflaster barg immer die Gefahr zu stolpern, gerade im Dunkeln, doch Xed kannte diesen Teil der Stadt wie seine Westentasche. Nach wenigen Augenblicken war er auf der anderen Seite angelangt und stand unter dem Schild, das in großen goldenen Lettern »Kunstgalerie Leer« verkündete.
Xed wandte sich um und drückte wie beiläufig mit den Händen hinter seinem Rücken gegen die Tür aus Eisen, die sich jedoch keinen Zentimeter rührte. Abgeschlossen, aber das hatte er erwartet.
Er zog sein Werkzeug aus der Jackentasche und machte sich am Schloss zu schaffen. Nach wenigen Augenblicken …. „Ferias – In der Tiefe des Ozeans“ weiterlesen

Nathan und der Kobold Tengu

Ein Kinderbuch von Maria Anders

… Missmutig schlurfte der zehnjährige Nathan nachmittags von der Schule nach Hause. Die Hände in die Hosentaschen gesteckt, stierte er auf den Boden. Seinen Schulranzen schliff er an einem Gurt hinter sich her. Am liebsten hätte er ihn mit einem riesengroßen Tritt in das nächste Gebüsch verfrachtet.
Er bemühte sich, äußerlich ruhig zu bleiben, doch innerlich tobte alles in ihm … „Nathan und der Kobold Tengu“ weiterlesen

Auch der Mond wirft Schatten

Bild Auch der Mond wirft SchattenEin Jugendroman von Alina Sawallisch

… Mena stutzte. Konzentriert betrachtete sie seine Gestalt.
Er kam ihr bekannt vor, und in ihrem Kopf schwirrten Szenen aus der Schule, in denen sie das bekannte Gesicht suchte, doch sie konnte ihn nicht direkt zuordnen.
Sie beobachtete wie er sich, wohl verlegen, auf die Lippe biss und leicht den Kopf wieder anhob.
Ihre Blicke trafen sich und Mena zuckte zusammen. Sofort wusste sie, wer er war. Schon beim ersten Mal, als sie ihn gesehen hatte, hatte sich sein intensiver Blick in ihr Gedächtnis gebrannt. Obwohl sie seine Augen da nur einen sehr kurzen Moment hinter der Sonnenbrille hatte hervorblitzen sehen, war ihr das durchdringende Grün seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen.
Ungefähr eine Woche war das nun her, als er und sein Vater in das Haus neben dem ihren eingezogen waren … „Auch der Mond wirft Schatten“ weiterlesen

Die Seelenkäuferin

Ein Roman von Sabine Kampermann

… »Wie bitte, welchen Namen?«, willst du wissen.
Ts, Ts, wie neugierig! Mein Name, lieber Leser, geht dich nichts an! Gute Fee genügt. Deinen Namen verrätst du mir ja ebenfalls nicht. Brauchst du auch nicht, denn was bitte soll ich damit? Bist du damit einverstanden, dass ich dich duze? Ansonsten lege das Buch einfach zur Seite und lies ein anderes.
Höre ich richtig? Was sagst du da? »Ich lese doch keine Märchen mehr mit oder ohne Butter. Das ist was für Kinder.«
Du bist dafür natürlich zu alt. Denkst du!
Tatsächlich? Wir werden sehen. Stell dir eine lebensfeindliche Welt vor, voller Eis oder eine tödliche Wüste, am besten beides, gespickt mit Ungeheuern, im Vergleich zu denen dir Godzilla wie Lurchi erscheint. Dann kommst du hier auf deine Kosten … „Die Seelenkäuferin“ weiterlesen

Blut und Asche

Ein Roman von Marie Richter

Die Nacht breitete ihr schwarzes Gefieder über das Land und vertrieb das letzte Dämmerlicht des Abends. Dunkelheit hüllte die wandernden Dünen der immer hungrigen Wüste ein und Schatten erklommen die trutzigen Mauern der Stadt, die sich Schutz suchend um eine Oase drängte. Sie hielten Einzug in ihren Winkeln und Gassen und boten jenen ein Versteck, die das Schwinden des Tageslichts aus ihren Löchern lockte. Das menschliche Gewürm drängte sich in die dunkelsten Ecken und ging dort seinen ruchlosen Geschäften nach. Vor dem Auge des Akars aber bot auch der finsterste Schatten keinen Schutz.
Reglos saß Jaron auf einem Dach, vom fahlen Mond in bleiches Licht getaucht, und beobachtete mit seinen verborgenen Sinnen, wie die Stadt in der Nacht erst wahrhaft erblühte. Er hätte sich gern abgewandt, angewidert von all der Verderbtheit, aber er konnte es nicht. Da war etwas an diesem widerlichen Bild, das nicht passte. Etwas stimmte nicht und das schon seit einem Jahrzehnt. Nacht für Nacht beobachtete er die Stadt nun und war doch noch nicht darauf gekommen … „Blut und Asche“ weiterlesen

Maharads- das Geheimnis der Sterne

Ein Roman von Melanie Klein

… Er hat mich, er will mich und er wird mich nie wieder gehen lassen. Mein Leben – ein einziger Scherbenhaufen, den ich vermutlich nie wieder richtig zusammengesetzt bekomme.
Seit sechs Monaten sitze ich jeden Abend in diesem, nach verfaulten Lebensmitteln stinkenden, Saal. Ein Saal, den ich seit sechs Monaten verfluche, genauso wie mein jetziges Dasein auf diesem verdammten Schloss – auch Arche der Hoffnung genannt, doch ich bevorzuge den Begriff Hölle … „Maharads- das Geheimnis der Sterne“ weiterlesen

Nathan und die Wölfin

Cover Nathan und die WölfinEin Roman von Nala Layoc

… Das Schützenhaus sollte bei der nächsten Abzweigung liegen. Ich fuhr langsam weiter und war froh, als ich den Parkplatz endlich entdeckte. Es kam mir verlassen vor, das Holz war alt und die Hütte wirkte, als würde sie jeden Moment in sich zusammenfallen.
Noch bevor ich aus dem Wagen stieg, hatte ich den penetranten Wolfsgeruch in der Nase. So langsam dämmerte mir, warum Arvis mich hierher gelotst hatte. Ich riss das Handschuhfach auf und durchsuchte es nach einer Waffe. Irgendetwas, wenigstens ein kleines Messer.
Zwei Werwölfe kamen auf den Jeep zu und ich wusste, dass es zu spät war. Ohne den Schlüssel mitzunehmen, stieg ich aus … „Nathan und die Wölfin“ weiterlesen