Interview mit Gudrun Opladen

Liebe Gudrun, »Alwis der Zwerg« ist eine kindgerecht geschriebene Erzählung aus der Lieder-Edda. Was hat dich dazu inspiriert, diese schöne alte Mythologie neu zu beleben?

Zum einen mag ich alle erdenklichen Wesen aus dem unglaublich reichen Fundus, den die nordisch-germanische Mythologie bis heute bietet – ein kultureller Schatz, zu dem natürlich auch die Welt der Zwerge zählt. Als ursprünglich gar nicht so nette „Nachtalben“ sind die Zwerge faszinierende Wesen, welche die alten Erzählungen bevölkern, zusammen mit den „Lichtalben“ (den späteren Elfen), den Göttern, Riesen und Menschen. Ob J. R. R. Tolkien oder Joanne K. Rowling, fast alle Autoren der Fantasy-Literatur schöpfen aus diesen alten mythologischen Quellen. Im Laufe der Zeit haben dabei auch die Zwerge zum Teil völlig neue Interpretationen als witzige oder niedliche Wichtel, Gnome, Kobolde oder Zwerge erfahren, man denke nur an den in Deutschland beliebten Gartenzwerg.
Zum anderen, und das war das besonders Spannende an dem allwissenden Zwerg für mich, ist Alwis eine besonders sperrige und eigensinnige Figur – vergleichbar etwa mit dem garstigen Rumpelstilzchen aus dem gleichnamigen Märchen. Alwis will niemandem gefallen, er ist von sich und seinem Wissen ganz und gar überzeugt. Mir ging es also gewissermaßen darum, das Gute und gleichzeitig das Fehlerhafte aus dem Zwerg herauszuarbeiten.
Das legendäre Schicksal dieses alten, mythologischen Zwerges ist in dem Alwis-Lied, das der alten Lieder-Edda entstammt, beschrieben – er erstarrt zu Stein, denn er bemerkt nicht, dass die für ihn tödlichen Strahlen der Sonne bereits in Thors Halle hineinzuscheinen beginnen. Dieses traurige Ende wollte ich auflösen und weiterspinnen, und es zu einem für Kinder unterhaltsamen, informativen und spannenden Happy-End bringen.
Das Alwis-Lied, ein Zwiegespräch, dargestellt als Frage- und Antwort-Spiel zwischen dem Donnergott Thor und dem allwissenden Zwerg, habe ich als wichtigen Baustein belassen, und so verständlich wie möglich nacherzählt. Durch „Alwis der Zwerg“ hinzugekommen sind nun eine ereignisreiche Vor- und Nachgeschichte, die an die bereits bestehenden Figuren anknüpfen, sie erweitern, und sie so mit neuem Leben erfüllen. Eine Schlüsselrolle spielen dabei nicht nur die clevere List und Tücke der weiblichen Hauptprotagonisten, des Zwergenmädchens Lioba und der Göttertochter Thrud, sondern auch deren Mitgefühl und Liebe dem Zwerg gegenüber – zusammen helfen sie Alwis, seine eigene Bestimmung zu finden. Das alte Alwis-Lied lehrt ja, dass Hochmut vor dem Fall kommt – „Alwis der Zwerg“ zeigt den Kindern darüber hinaus, dass alle Wesen dieser Welt der Liebe und des Mitgefühls bedürfen, und seien sie noch so „hässlich“ oder „unperfekt“.

Somit hat das Buch neben dem Spaß beim Lesen auf alle Fälle auch einen Lernfaktor. Das ist gerade in unserer heutigen Zeit so wichtig, dass die Kinder lernen, dass alle Wesen ihre Liebe und ihr Mitgefühl wert sind. Das passt besonders zum bevorstehenden Weihnachtsfest.
Apropos – Weihnachten steht ja gerade vor der Tür und dein Buch wird pünktlich erscheinen. Freust du dich darauf, es verschenken zu können?

Ja, ich freue mich natürlich, denn eine eigene Geschichte zu verschenken, bedeutet immer auch, einen persönlichen Teil von sich selbst verschenken zu dürfen. Meine Tochter und mein Sohn sind zwar schon den Kinderschuhen entwachsen, werden aber natürlich immer noch mit den neuesten Büchern der Mama versorgt – ob sie wollen oder nicht …

Wie sich das gehört! Und ich denke, sie freuen sich mit Sicherheit und sind sehr stolz auf dich.
Wie wirst du denn das Weihnachtsfest feiern? Bist du an solchen Tagen ein Familienmensch oder magst du es lieber ruhig?

Unsere Verwandtschaft ist nicht so groß, dass es wirklich viel Trubel oder Stress gäbe, die ersten Tage verbringen wir auch meistens unter uns. Später bekommen wir dann Besuch oder besuchen selbst Verwandte oder Freunde. Da wir nicht kirchlich gebunden sind, können wir an den Festtagen vielleicht auch manches entspannter sehen als andere.

Das klingt perfekt, denn so hast du ja beides – deine Lieben um dich herum und trotzdem etwas mehr Ruhe, um abzuschalten. Dann kann das alte Jahr sich entspannt verabschieden.
Was denkst du eigentlich über gute Vorsätze? Hast du welche für das neue Jahr 2017 gemacht?

Ich halte es mit dem römischen Epiker Ovid: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.“ Aber da wir der Hölle nun einmal nicht entrinnen können, und sie mit Sicherheit spannender ist als das ewige Hosianna im Himmel, gebe ich zu: ich sollte eine wirklich geeignete Naturfarbe für meine ergrauten Haare finden, einen Bestseller schreiben, und einmal um die Welt reisen – aber sonst?

Oh, diese Vorsätze klingen sehr gut! Wenn du die perfekte Haarfarbe-Marke gefunden hast, lass uns unbedingt wissen, welche das ist. Und von der Weltreise wollen wir dann Fotos sehen. Vielleicht fällt dir ja der Stoff für den Bestseller auf dieser Reise ein? Dann lohnt sie sich gleich doppelt.
Und wie sieht es mit deinen übrigen Plänen aus?

Geld, Gold, ein sorgenfreies Leben und natürlich der Weltfrieden stehen ganz oben auf meiner Agenda. Im Ernst: ich versuche, mit dem Schreiben auch ein bisschen Geld zu verdienen und bin hauptberuflich als Journalistin und freie Texterin aktiv. Weitere Buchideen schlummern natürlich im Kopf und in der Schreibtischschublade – darunter ist noch ein Schatz aus der Edda, der darauf wartet, gehoben zu werden …

Da sind wir doch gleich gespannt und freuen uns darauf!
Vielen Dank liebe Gudrun für das tolle Interview.

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