Erste Gehversuche. Oder – warum Fehler besser als ihr Ruf sind

Die Deckung also verlassen. Aufrichten und durch.
Klingt doch eigentlich ganz einfach, oder?

Diese Woche war genial und chaotisch. Adrenalin pur in rauen Mengen.

Am Mittwoch hatten wir die Ausschreibung »Elevator Pitch BW« entdeckt, spontan einen Text in die Vorlage geschrieben und die Bewerbung abgeschickt.
Am Donnerstag morgen kam dann eine E-Mail – wir waren angenommen. Und hatten etwa 24 Stunden Zeit, es mithilfe des Online-Voting unter die zehn Teams zu schaffen, die am Freitag dabei sein durften.

BOOOM … erster Adrenalinstoß.

Wir haben euch um Mithilfe gebeten und was soll ich sagen – ihr seid soooo genial! Innerhalb dieser 24 Stunden habt ihr nicht nur dafür gesorgt, dass wir dabei sind, ihr habt uns sogar auf Startplatz 3 hochschießen lassen. HAMMER!

Dann kam eine Mail, dass wir dabei sind, dass wir am Montag zum Pitch-Coaching kommen können, um zu erfahren, was am Freitag so alles wichtig ist.
Okay, wir also wieder einen Text geschrieben (diesmal einen Pitch aus dem Pitch), Google Maps nach dem Weg befragt, und los ging es ins Coaching.
Dort wurde alles Wichtige erklärt und dann durften alle Teams ihren Pitch einmal vortragen, um das Feedback vom Coach und den anderen Teilnehmern für die Veranstaltung am Freitag einbauen zu können.

Schon als die Vorführungen der anderen begannen, hat sich in mir so richtig fies Adrenalin breitgemacht.
Kennt ihr das? – die Knie beginnen zu zittern, der Hals wird trocken und man überlegt fieberhaft, was man eigentlich sagen wollte …

Unsere Vorfahren benötigten diese Sorte Angst, um sich vor wilden Tieren schützen zu können und zu überleben.
Das Adrenalin, welches in für uns ungewohnten und »gefährlichen« Situationen erzeugt wird, ist immer noch das Gleiche wie damals. Aber wenn man einem »Säbelzahntiger« in Form einer Rede vor Publikum gegenübersteht, ist ja blöderweise weder Flucht noch der Schwertkampf eine gute Option.

Na ja, dann waren wir an der Reihe. Ich hatte also das erste mal in meinem Leben ein Mikrofon in der Hand und – war platt. Blackout.
Damit hatte ich nicht gerechnet.
Ich habe nur noch gestottert, hätte wohl meinen Namen nicht mehr deutlich aussprechen können.

Waaaaam … ganz toll!

Was macht man in so einer Situation???

Ich habe Experten um Rat gefragt.
In diesem Fall waren das Menschen, die Bühnenerfahrung haben.
An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön für die richtig guten Tipps.

Hierzu noch soviel: Ich habe daraufhin meinen Hund und meine Notizen geschnappt, bin in den Wald gefahren und habe den Bäumen meine Präsentation wieder und wieder mit lauter Stimme vorgetragen, bis es gesessen hat.
(Lacht jetzt nicht …. es sah bestimmt verrückt aus und die Büsche und Bäume waren alle mit Sicherheit froh, als die Schreierei am Freitag ein Ende hatte … aber es hat geholfen.)

Als wir dann am Freitag wieder ein Mikrofon in die Hand gedrückt bekamen und auf die Bühne gegangen sind, da war dieses Adrenalin wieder da. Aber diesmal war ich darauf vorbereitet.

(Kurz habe ich überlegt, ob Flucht nicht doch die bessere Option wäre …. auf der Damentoilette war es eigentlich ganz nett … und ein Fenster zum Hof war dort doch auch … aber das war wohl nicht die Lösung …)

Aber es hat geklappt.
Letztendlich habe ich mich im Text ab der dritten Minute doch noch »verhapselt«, die Jury war sauer, weil das natürlich blöd war … somit war der Wettbewerb für uns vorbei.

Zuerst habe ich mich geärgert, aber dann habe ich mir gesagt, dass Fehler nun einmal menschlich sind.
Fehler sind nicht schlimm – das habe ich inzwischen gelernt.
Und – durch Fehler lernen wir Menschen richtig viel und schnell.
Würde ein Kind, das laufen lernt, nach dem ersten Hinfallen denken, »das lass ich besser sein, ich mach´s ja doch falsch«, dann würde es niemals laufen können …

Also aufstehen und weiter …

Ach ja – manchmal bringen ironischerweise gerade die Fehler den gewünschten Erfolg – jeder, aber wirklich jeder in der Halle wusste, wer diese Pitch-Teilnehmer waren, die so ein geheimes Geheimnis haben.

Wie seht ihr die Sache mit dem »Fehler machen«?
Habt ihr schon mal etwas Ähnliches erlebt?
Ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare.

Alles Liebe
Eure Sandra

Hier das Video von unserem Pitch:

(© Video und Foto: Elevator Pitch BW)

4 Gedanken zu „Erste Gehversuche. Oder – warum Fehler besser als ihr Ruf sind“

  1. Liebe Sandra,
    nicht umsonst heisst es zurecht „learning by doing“ – und du hast das toll gemacht. Es gibt Erfahrungen, die man einfach selbst machen muss und wo vorheriges „Lernen“ nur wenig nützt. Und gerade bei Auftritten vor (größerem) Publikum kann einem kein Training auf den Adrenalinstoß genügend vorbereiten, auch wenn es vielleicht mehr Sicherheit verleiht – der Bühneneffekt kommt trotzdem. Es ist sympathisch und definitiv auch gut, von seinen „Fehlern“ dann hinterher lernen zu wollen – aber ich konnte ehrlich gesagt wenig von „Fehlern“ bei der Art der Präsentation erkennen. Die kleinen sprachlichen Unsicherheiten, das vielleicht ungewollt oft wiederholte „Ja“ am Satzbeginn, etwas zu aufgeregte Bewegungen… das alles ist überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil – es vermittelt Authentizität, wirkliche Begeisterung für dein Thema, menschliches, ungekünsteltes „Verhalten“ – es verbindet dich mit vielen anderen Anwesenden, verärgert sie nicht. Wenn das Urteil der Juroren dann hinterher eher kritisch war, so muss man das nicht überbewerten – denn sie bewerteten sicher weniger deinen Auftritt, sondern mehr die inhaltlichen Argumente. Bei einem solchen Business Case Pitching geht es ihnen primär um Alleinstellungsmerkmale, zu erwartende Wettbewerbsvorteile, innovative Elemente des Angebots / der Produkte, „Erfindungshöhe“ bei ganz neuen Ideen. Euer Konzept, „magische Bücher“ in die Buchwelt zu bringen, mit breiterem Ansatz als Fantasy Mainstream und mit einem „neuen Schwung“ für dieses Genre, kam vielleicht nicht ausreichend zur Geltung. Aber dennoch: Super Idee, sich dort zu präsentieren, und super Auftritt – weiter so und ganz viel Erfolg!

    1. Lieber Dieter,
      stimmt, die Erfahrung muss man machen, denn diese innere Aufruhr lässt sich nicht vorhersehen. Als wir zum Coaching gefahren sind, wusste ich ja, was ich sagen wollte. Dass ich dann nur noch gestottert habe, war im ersten Moment ein Schock, damit hatte ich nicht gerechnet.
      (ich bin doch sowieso immer am reden – frag Micha mal 😉 )
      Deshalb war es wichtig, die Präsentation zu üben und wenigstens schon mal eine Ahnung von dem „Säbelzahntiger“ zu haben.

      Sauer waren sie hauptsächlich, weil ich von einem geheimen Geheimnis geredet hab, statt, wie für den Wettbewerb vorgesehen, Fakten präsentiert habe.
      Ich habe schlicht den Faden verloren und einfach weiter gemacht.

      Aber – die Aufmerksamkeit des Publikums hatten wir dadurch 🙂

  2. Liebe Sandra, Du hast das super gemacht. Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst. Sondern bedeutet, es trotzdem zu tun auch wenn Amgst oder Unsicherheit da ist. Denn dahinter liegt der größte Benefit. Symbolisch gesehen hat uns, wenn wir in der Angst Sind, der Drache in den Klauen. Wenn wir dadurch gehen, dann reiten wir den Drachen. Und je öfter Du den Weg gehst desto leichter wird es Dir fallen. Du konntest den Drachen reiten👍Ich sende Dir herzliche Grûsse und einen fantastischen Tag. Du kannst ganz stolz sein auf Dich.

    1. Danke Nicole,
      dieser Vergleich mit dem Drachen gefällt mir jetzt besonders gut – Drachen reiten … genau!!
      Das nehme ich mir gleich als Leitsatz, das ist perfekt 🙂
      Ich wünsche dir ebenfalls einen tollen und fantastischen Tag 🙂
      Liebe Grüße

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