Die Reise der Weisen – Balthasar, Melchior und Caspar

Ein Roman von Monika Grasl

Im Jahr 7 vor der Zeitrechnung

Der Wind blähte die Stoffe vor den Fensteröffnungen auf, als sich Caspars Lider öffneten. Er schreckte keineswegs aus seinem unruhigen Schlaf hoch. Vielmehr glich es einem langsamen Erwachen aus einem wirren Traum, dessen Bedeutung er noch nicht zuordnen konnte. Eines stand jedoch fest: Seine Nachtruhe war dadurch erheblich gestört worden und dieser Umstand missfiel dem mittlerweile fünfundvierzig Sommer zählenden Mann. Immerhin war seine Arbeit bereits beschwerlich genug. Unausgeschlafen daran zu gehen wagte er nicht, doch zeitgleich hielt ihn ein sachtes Klopfen an der Tür davon ab, erneut in einen leichten Schlummer zu fallen.
»Gebieter, es ist an der Zeit aufzustehen. Die Sonne zeigt sich bereits mit ihren ersten Strahlen.«
Mochte die Sonne bereits so weit sein, für Caspar galt dies nicht. Doch darauf schien keiner Rücksicht nehmen zu wollen. Ehe er fähig war, ein Wort über die Lippen zu bringen, ging die Tür auf und ein schmächtiger Bursche mit wirrem Lockenkopf trat ein … „Die Reise der Weisen – Balthasar, Melchior und Caspar“ weiterlesen

Auch der Mond wirft Schatten

Ein Jugendroman von Alina Sawallisch

… Mena stutzte. Konzentriert betrachtete sie seine Gestalt.Bild Auch der Mond wirft Schatten
Er kam ihr bekannt vor, und in ihrem Kopf schwirrten Szenen aus der Schule, in denen sie das bekannte Gesicht suchte, doch sie konnte ihn nicht direkt zuordnen.
Sie beobachtete wie er sich, wohl verlegen, auf die Lippe biss und leicht den Kopf wieder anhob.
Ihre Blicke trafen sich und Mena zuckte zusammen. Sofort wusste sie, wer er war. Schon beim ersten Mal, als sie ihn gesehen hatte, hatte sich sein intensiver Blick in ihr Gedächtnis gebrannt. Obwohl sie seine Augen da nur einen sehr kurzen Moment hinter der Sonnenbrille hatte hervorblitzen sehen, war ihr das durchdringende Grün seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen.
Ungefähr eine Woche war das nun her, als er und sein Vater in das Haus neben dem ihren eingezogen waren … „Auch der Mond wirft Schatten“ weiterlesen

Zeitlose – Doras Erwachen

Ein Roman von Eva-Maria Obermann
Band zwei der Trilogie

… Ich wusste, ich sollte Hilde wieder auf die müden Schultern setzen und weiterlaufen, aber ein seltsames Gefühl machte sich in mir breit. Ich musste wissen, wer dort im Bett lag. Leise schlich ich näher und hörte mit jedem Schritt lauter das gleichmäßige Atmen des Schlafenden. Bereits auf den letzten Metern erkannte ich die fremde Uniform. Ich sollte schreien, weglaufen, jemanden holen. Aber noch immer ging ich näher heran. In diesem Bett lag der Feind. Doch es fühlte sich anders an … „Zeitlose – Doras Erwachen“ weiterlesen

Beheaded – Der Wille der Schatten

Ein Roman von Stefan Goebels
Band 1

Bild Beheaded - Der Wille der Schatten… Die Geburt schmeißt uns in eine unbarmherzige Welt. Eine dünne Schicht Fleisch trennt uns vom Hass, den es dort ebenso reichlich gibt wie Luft zum Atmen. Ich wurde zweimal geboren. Die Bewusstlosigkeit nahm die Rolle des Mutterleibs ein. Sie spuckte mich aus, harsch übergab sie mich dem Dasein eines Gefangenen …

Ein Untoter auf kopfloser Suche
„Beheaded – Der Wille der Schatten“ weiterlesen

Bounded Elements – Rückkehr der Finsternis

Ein Roman von Michael Klausner

Bild Bounded Elements - Rückkehr der Finsternis… Fauliger Atem schlug ihnen entgegen, als die Kreatur das Maul öffnete. Geifer tropfte zwischen den Reißzähnen herab und hinterließ dampfende Löcher im Schnee.
»Wir müssen hier weg! Schnell!«, rief Traig.
»Lauf!«, schrie Kryon aus voller Kehle.
Er rannte so schnell er konnte. Weiter bergauf. Immer weiter. Nur nicht stehen bleiben … „Bounded Elements – Rückkehr der Finsternis“ weiterlesen

Die Seelenkäuferin

Cover Die SeelenkäuferinEin Roman von Sabine Kampermann

… »Wie bitte, welchen Namen?«, willst du wissen.
Ts, Ts, wie neugierig! Mein Name, lieber Leser, geht dich nichts an! Gute Fee genügt. Deinen Namen verrätst du mir ja ebenfalls nicht. Brauchst du auch nicht, denn was bitte soll ich damit? Bist du damit einverstanden, dass ich dich duze? Ansonsten lege das Buch einfach zur Seite und lies ein anderes.
Höre ich richtig? Was sagst du da? »Ich lese doch keine Märchen mehr mit oder ohne Butter. Das ist was für Kinder.«
Du bist dafür natürlich zu alt. Denkst du!
Tatsächlich? Wir werden sehen. Stell dir eine lebensfeindliche Welt vor, voller Eis oder eine tödliche Wüste, am besten beides, gespickt mit Ungeheuern, im Vergleich zu denen dir Godzilla wie Lurchi erscheint. Dann kommst du hier auf deine Kosten … „Die Seelenkäuferin“ weiterlesen

Die Elvyss – Verlockung der dunklen Macht

Cover Die Elvyss - Verlockung der dunklen MachtEin Roman von Janina Breidt

… Als sie am Rande des Waldes ankamen, blieb Arkon schlagartig stehen. Ehrfurcht machte sich in ihm breit, und sein Herz raste.
»Magier Eledon, wir können nicht weiter gehen … was ist mit der dunklen Gestalt, die darin wohnt? Was ist, wenn wir ihr zum Opfer fallen …?«
»Genau deshalb sollst du mit mir kommen. Es gibt einiges, was ich dir erklären muss«, flüsterte Eledon. Mit diesen Worten drehte er sich um und ging unbeirrt den Pfad weiter.
Nach weiteren fünf Minuten Marsch reichte er Arkon eine Phiole und bat ihn, sie zu leeren. Was dann geschah, und was er dann erblickte, machte ihn sprachlos … „Die Elvyss – Verlockung der dunklen Macht“ weiterlesen

Jaron und Anubail – Blut und Asche

Cover Jaron und Anubail – Blut und AscheEin Roman von Marie Richter

Die Nacht breitete ihr schwarzes Gefieder über das Land und vertrieb das letzte Dämmerlicht des Abends. Dunkelheit hüllte die wandernden Dünen der immer hungrigen Wüste ein und Schatten erklommen die trutzigen Mauern der Stadt, die sich Schutz suchend um eine Oase drängte. Sie hielten Einzug in ihren Winkeln und Gassen und boten jenen ein Versteck, die das Schwinden des Tageslichts aus ihren Löchern lockte. Das menschliche Gewürm drängte sich in die dunkelsten Ecken und ging dort seinen ruchlosen Geschäften nach. Vor dem Auge des Akars aber bot auch der finsterste Schatten keinen Schutz.
Reglos saß Jaron auf einem Dach, vom fahlen Mond in bleiches Licht getaucht, und beobachtete mit seinen verborgenen Sinnen, wie die Stadt in der Nacht erst wahrhaft erblühte. Er hätte sich gern abgewandt, angewidert von all der Verderbtheit, aber er konnte es nicht. Da war etwas an diesem widerlichen Bild, das nicht passte. Etwas stimmte nicht und das schon seit einem Jahrzehnt. Nacht für Nacht beobachtete er die Stadt nun und war doch noch nicht darauf gekommen … „Jaron und Anubail – Blut und Asche“ weiterlesen

Charlotte – der unergründliche Spiegel

Ein Roman von Sabrina Nickel

… Durch ein geöffnetes Fenster am anderen Ende des Raumes flutet Sonnenlicht. Staub wirbelt in den Strahlen und glänzt wie Gold. Unter dem Fenster, hinter einem Umzugskarton, taucht ein schwarzes Katzenköpfchen auf. Gerade will ich ein ernstes Wort mit der Kleinen reden, da fällt mir ein Buch im Karton auf. Es ist etwas zerfleddert und hat einen schwarzen Ledereinband mit einer silbernen Schnalle, die in der Sonne glänzt. Die Größe entspricht in etwa der eines Notizbuches. Ein ovaler, in die Schnalle eingelassener Stein blitzt mich in einem geheimnisvollen Grün an. Ich kann nicht anders – ich nehme es aus dem Karton, schlage es auf und fange an zu lesen …

„Charlotte – der unergründliche Spiegel“ weiterlesen